Filderkraut worldwide

Eine gefürchtete Krankheit unter Seefahrern war bis in die frühe Neuzeit Skorbut. Nach etwa 3 Monaten auf See begannen sich Schiffsbesatzungen und Passagiere müde zu fühlen, es kam zu inneren Blutungen, Gelenkschmerzen, Muskelschwund und anderen. Am augenfälligsten waren jedoch Entzündungen am Zahnfleisch und der Ausfall von Zähnen, worauf auch der Name der Krankheit Skorbut (lat. für Mundfäule) zurückzuführen ist. Unbehandelt endete die Krankheit in jedem Fall tödlich. Als Ursachen galten wahlweise das schlechte Trinkwasser auf den Schiffen, die allgegenwärtige Feuchtigkeit, Nebel, ungünstige Winde, das meist übermäßig gesalzene Fleisch, der Genuss von Zucker oder gar die Faulheit der Besatzungen. Die Krankheit blieb jedoch rätselhaft und wurde mangels anderer Erklärungen letztlich als gottgegeben hingenommen, wie so vieles in jener Zeit eben einfach nicht rational erklärbar war. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß sich Skorbut keineswegs auf Seeleute beschränkte, die Mangelkrankheit trat vor allem in langen Wintern ohne ausreichende frische Nahrung durchaus auch innerhalb der Landbevölkerung auf, wenn auch sicherlich weniger drastisch. Und so ist es aus heutiger Sicht erstaunlich, daß erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein englischer Schiffsarzt auf die Idee kam, daß ein Zusammenhang zwischen Ernährung dem Auftreten der Krankheit bestehen könnte und begann, mit verschiedenen „Nahrungsergänzungsmitteln“ zu experimentieren. Schnell stellte er fest, daß sich Skorbut mit Zitrusfrüchten und Sauerkraut wirksam bekämpfen ließ und schlug der englischen Marine daraufhin bestimmte Ernährungspläne für ihre Seeleute vor. (Unerklärlich blieb allerdings weiterhin die Tatsache, daß die Sache mit frischen Zitronen, Orangen und Limetten funktionierte, deren eingekochter Saft jedoch nicht die gewünschte Wirkung entfaltete.) James Cook war der erste, der sich an die neuen Empfehlungen hielt und auf seinen Reisen tägliche Sauerkrautrationen ausgab. Mit Erfolg: er verlor nach der Einführung dieser Maßnahme kein einziges Mitglied seiner Besatzungen mehr an die Krankheit.

Es dauerte jedoch noch bis in die 1930 er Jahre, bis der Grund für die Wirkung entdeckt wurde: eine in Zitrusfrüchten und rohem Sauerkraut reichlich enthaltene Substanz, die auf den Namen „Askorbinsäure“ getauft wurde- übersetzt „Anti-Skorbut-Säure“, heute besser bekannt als Vitamin C. Da Sauerkraut gegenüber Zitrusfrüchten einfacher zu beschaffen, besser haltbar und wesentlich günstiger war, wurde dieses von nun an fester Bestandteil der Ernährung auf Seereisen und mit der Erweiterung der Flotten und Handelsrouten wuchs der Bedarf enorm. Nicht zuletzt dieser Umstand war die entscheidende Grundlage für den Aufschwung des Krautanbaus auf den Fildern.

 

Auf dem Foto ist die Beladung eines Eisenbahnwagens mit Spitzkraut am Echterdinger Bahnhof im Jahr 1920 zu sehen, zu beachten ist der Bestimmungsort "Altona" auf dem Güterwagen.

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