Das wundersame Leben der Blattläuse
Unüberschaubar ist die Vielfalt der (Blatt-)Läuse, die alleine in Deutschland in über 700 Arten vorkommen und oft auf genau eine einzige Pflanze spezialisiert sind. Kaum zeigt sich im Frühjahr das erste Grün, sind sie wie aus dem Nichts zur Stelle und bilden an Nutz- und Zierpflanzen rasch größer werdende Kolonien. Dies ist dadurch möglich, daß aus den im Vorjahr abgelegten Eiern sogenannte „Stamm-Mütter“ schlüpfen, die eine große Anzahl lebender weiblicher Jungtiere zur Welt bringen, die enorme Vermehrungsraten aufweisen, ohne daß dafür die sonst im Insektenreich üblichen langwierigen Vorgänge von Paarung über Eiablage, Verpuppung usw. erforderlich wären (sog. „Parthenogenese“). Dieser „Trick“ ist der Grund für die scheinbar explosionsartige Vermehrung dieser Tiere.
Blattläuse saugen Pflanzensäfte, verwerten jedoch ausschließlich die darin enthaltenen Proteine, der im Pflanzensaft enthaltene Zucker wird wieder ausgeschieden. Für diese Ausscheidungen interessieren sich insbesondere Ameisen, die damit wiederum ihre Brut ernähren. Sie pflegen deshalb die Laus-Kolonien, verteidigen sie gegen Fressfeinde und sorgen für die Verbreitung auf andere Pflanzen. Sobald in einer Lauskolonie das Futter knapp wird, entwickeln sich geflügelte Tiere, die abfliegen und zu Stamm-Müttern weiterer Kolonien werden. Da (Blatt-)Läuse verholzte Pflanzenteile nicht mehr anstechen können, wandern die Läuse mit zunehmender Verholzung der krautigen Pflanzenteile ihrer ersten Wirtspflanzen im Sommer oft auf andere Pflanzen ab und verschwinden damit scheinbar genauso plötzlich wie sie aufgetaucht sind.
